3: Rheinfelden – Kaiseraugst – Liestal – Laufen – Delémont

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Lesezeit: ca. 9 Minuten

Vom Aargau arbeite ich mich bis in den Jura vor. Auf dem Weg dorthin durchquere ich Teile der Kantone Baselland und Solothurn, wo ich auf alte Römerbauten, idyllische Flussläufe, malerische Täler und hübsche Altstädte treffe – und die Einwohner eines Bauerndorfes, die sich offensichtlich vor mir fürchten.

3: Rheinfelden – Kaiseraugst – Liestal – Laufen – Delémont

 

Fahrt-Logbuch:

Linie Von Nach Bus BJ Halter Zeit KM
84 Rheinfelden, Post Kaiseraugst, Liebrüti Solaris Urbino 18 2014 Regie 0:13 5,9
 – Kaiseraugst, Liebrüti Liestal, Bahnhof Zu Fuss 1:46 8,9
 111 Liestal, Bahnhof Büren, Dorf Mercedes-Benz O530 Ü Citaro 2003 Wohlgemuth, Hochwald 0:11 7,0
 111  Büren, Dorf Laufen, Bahnhof Mercedes-Benz O530 Citaro 2005 Regie 0:48 24,3
 112 Laufen, Bahnhof Kleinlützel, Garage Mercedes-Benz O530 G Citaro (facelift) 2011 Regie 0:10 7,3
 112b  Kleinlützel, Garage Roggenburg, Dorf Mercedes-Benz Sprinter City 35 2009 Regie 0:07 7,0
 214 Roggenburg, Dorf Delémont, Gare Mercedes-Benz O530 Citaro (facelift) 2013 Regie 0:27 14,6

 

 

English Summary:

English Translation - click to view

Welcome to a slightly longer episode – 75km will be covered, including a 90 minute walk and some two hours on busses.

The first bus takes me from Rheinfelden to neighbouring Kaiseraugst, where I start my first longer walk (7 km) of the trip. Unfortunately, some well-known Roman relics are just a stone’s throw away, and so I feel obliged to add another 2km to see them – much to the bewilderment of the bored schoolchildren there, who can’t possibly understand that someone would come here without the teacher telling him to.
The rest of the walk following the small river Ergolz is quite pleasant and finally leads me into Liestal, a regional capital. After it welcomed me with some grey apartment buildings I’m happy to find a pretty nice old town here.

Finally I can catch the next PostBus which takes me through the scenic Schwarzbubenland region – which literally translates into black boy country, something that could easily cause a shitstorm if used in the wrong context. The PostBus drops me off in Laufen, another district capital with a nice old town, where I stumble straight into the rush-hour. Accordingly, the next coach is filled to the gills, yet I manage to secure a seat for the journey west into the unknown. Soon, a small commuter bus takes over the line and takes me even further west, hugging the French border and finally dropping me in the small rural settlement of Roggenburg. After a pleasant walk around this quaint village, enjoying the views way into France, the last bus of the day picks me up and brings me to the city of Delémont, capital of the Swiss canton of Jura. The people here are known as a combative, freedom-fighting, independence-loving, absinthe-distilling bunch, and so I’m looking quite forward to seeing more of this unique region in the next episodes!

 

 

 

Von Rheinfelden geht meine Reise weiter in die Nachbarstadt Kaiseraugst – offenbar eine beliebte Strecke, denn obwohl ein langer Gelenkbus eingesetzt wird, ist dieser schnell proppenvoll. So gibt es von der Fahrt mangels Sicht nach draussen nichts zu berichten. Auch über downtown Kaiseraugst kann ich nichts sagen, denn mein Plan sieht vor, dass ich bereits in der Agglomeration im Stadtteil Liebrüti aussteige. Was lieb und niedlich klingt, ist de facto aber eine scheussliche Ansammlung grauer Wohnsilos. Schnell weg von hier!

 

Das liebliche Liebrüti
Das (nicht ganz so) liebliche Liebrüti

 

Liebrüti habe ich deshalb ausgewählt, weil wieder eine Wanderetappe bevorsteht und dieser Flecken von allen möglichen Alternativen noch am dichtesten beim nächsten Postauto-Netz liegt. Den Aargau kann ich nun abhaken und mittels knapp 9 Kilometern Fussmarsch durch den Kanton Baselland ins solothurnische Netz übersetzen. Gut anderthalb Stunden durch die baslerische Pampa gehen – gerade für einen Zürcher nichts, was Freudensprünge auslöst. Aber was sein muss, muss sein.
Glücklicherweise (naja, wie gross dieses Glück wirklich ist, bleibe dahingestellt) befindet sich ganz in der Nähe noch die römische Ausgrabungsstätte von Augusta Raurica, mit welcher wir sicherlich alle im Geschichtsunterricht mehr oder weniger zwangsweise Bekanntschaft gemacht haben. Da ich mich damals doch eher desinteressiert zeigte, wenn es um alte Steinbrocken ging, finde ich, dass nun die Zeit gekommen sei, Busse zu tun. Immerhin lässt sich die Römersiedlung mit nur 2 Kilometern Umweg in meine Wanderetappe einbauen – gerade so das Maximum, das ich für ein paar alte Steine noch in Kauf zu nehmen bereit bin.

 

Sich einmal wie ein Gladiator fühlen :)
Sich einmal wie ein Gladiator fühlen 🙂

 

Das angesteuerte Amphitheater ist dann auch ganz nett, aber auch nicht mehr. Ich werde dabei das Gefühl nicht los, dass sich die zahlreichen anwesenden Schulklassen unisono fragen, was da einer freiwillig – ohne Zwang des Bildungsauftrages – bei diesem Bauwerk tut, und wieso um Himmels Willen er sogar noch motiviert genug ist, seine Kamera aus dem Rucksack zu klauben um für die langweiligen alten Steine ein paar Megabyte an Daten zu verschwenden. Dasselbe frage ich mich dafür 10 Minuten später, als ich eine Zwanzigschaft Japaner interessiert dreinblickend und angeregt diskutierend über das Gelände streifen sehe. Kulturelle Abstecher auf einer Europareise sind ja schön und gut, aber bei all den Schönheiten, welche unser Land zu bieten hat, käme es mir selbst bei einem vierjährigen Aufenthalt kaum in den Sinn, auch nur eine Stunde den römischen Brocken in der Weiten des Schweizer Mittellandes zu widmen. Aber gut: Augusta Raurica, ich habe dich gesehen. Und nun weiter!

 

Das römische Amphitheater von Augusta Raurica (Augst)
Das römische Amphitheater von Augusta Raurica (Augst)

 

Der weitere Weg zu meinem Ziel Liestal, Hauptstadt des Kantons Baselland, ist soweit ganz angenehm. Er führt durchwegs dem Flüsschen Ergolz entlang, das sich mal als niedliches Rinnsal, mal als reisserischer Strom zeigt.

 

Über Feld und Flur von Augst nach Liestal
Über Feld und Flur von Augst nach Liestal
Der Ergolz entlang nach Liestal
Der Ergolz entlang nach Liestal
Der Ergolz entlang nach Liestal
Der Ergolz entlang nach Liestal

 

Schliesslich signalisieren erste eintönige Betonburg-Siedlungen nach gut 90 Minuten meine Ankunft in Liestal.

 

Willkommen in Liestal!
Willkommen in Liestal!

 

Zum Glück finden sich in der kleinen Altstadt noch einige herzige Gässchen und Stadttore, die an Liestals Anfänge als befestigtes Etappenziel auf der ersten Nord-Süd-Achse Basel-Gotthard erinnern, sonst hätte ich wohl die ganze Stadt als architektonischen Schandfleck abgetan. Aber vielleicht hat mir auch nur die Erschöpfung der zweistündigen Wanderung übermässig zugesetzt.

Blick der Liestaler Rathausstrasse englang zum "Törli" aus dem 13. Jahrhundert
Blick der Liestaler Rathausstrasse englang zum “Törli” aus dem 13. Jahrhundert
Fassadenmalereien am Rathaus von Liestal
Fassadenmalereien am Rathaus von Liestal

 

Rathausstrasse in Liestal BL
Rathausstrasse in Liestal, mit dem Güldihaus (Nachbau einer seit dem 15. Jahrhundert existierenden Liegenschaft)

 

Dann ist endlich wieder Postauto-Zeit und sofort heitert auch mein Gemüt wieder auf. Im hintersten Eck des Bahnhofes von Liestal, ganz offensichtlich abgedrängt von den zahlreichen Bussen des lokalen Verkehrsbetriebes, wartet ein gelbes Postauto mit Solothurner Nummernschild auf mich. Betrieben wird der Citaro in Überland-Ausstattung von Postauto-Halter Wohlgemuth, der im Jahr 1960 den lokalen Autobusbetrieb übernahm, welcher ursprünglich anno 1926 von ein paar weitsichtigen Landwirten und Gemeinderäten aus dem Dörfchen Hochwald gegründet worden war. Der Bus soll mich binnen einer Stunde nach Laufen bringen, auf einer abwechslungsreichen Fahrt durch das landschaftlich schöne sogenannte Schwarzbubenland.

Mit insgesamt 31 Kilometern Länge ist diese Linie 111 zugleich auch die bisher längste auf meiner Reise. Doch schon beim zweiten Dorf, Büren, pfeife ich auf den Rekord und gebe meinem Drang nach, auszusteigen und mich umzuschauen. Zu meiner Überraschung sehe ich als erstes wirklich zwei Schwarze Buben – zwei afrikanisch-stämmige Gastarbeiter, die offenbar auf einem lokalen Bauernhof angestellt sind und sich fröhlich mit dem Hofherrn unterhalten. Das in einer Talmulde gelegene Bauerndorf Büren, das traditionell vom Ackerbau und Kirschen-Anbau lebte, bevor es zu einer Agglomerationsgemeinde Liestals wurde, gefällt mir irgendwie auf Anhieb. So nehme ich gar einen anstrengenden Sprint auf den Dorfberg auf mich, um es in seiner ganzen Pracht abzulichten.

 

Überblick über das in einem Talkessel gelegene Dörfchen Büren SO
Überblick über das in einem Talkessel gelegene Dörfchen Büren SO

 

Die nach der improvisierten Bergwanderung verbleibenden 45 Minuten bis zur Fahrt des nächsten Postautos ziehen sich mangels weiterer Attraktionen doch etwas, aber dann kommt endlich der nächste gelbe Bus in Sicht. Ein weiterer Citaro, diesmal aber nicht mehr von Wohlgemuth, sondern von der Regie betrieben. Die Fahrt ist auch im Weiteren sowohl landschaftlich wie kulturell recht ansprechend: Wir passieren zahllose bewaldete Hügel und ein paar hübsche kleine Dörfchen, von welchen einige – Seewen und Nunningen im Speziellen – mit einer übergrossen Kirche aufwarten.

 

Im Thierstein unterwegs
Das Schwarzbubenland präsentiert sich eher in Grün- und Gelbtönen!
Unterwegs im Schwarzbubenland

 

Kirche St. Germann, Seewen
Kirche St. Germann, Seewen
Die neugotische Kirche von Nunningen-Oberkirch
Die neugotische Kirche von Nunningen-Oberkirch – einige Sagen verorten an diesem Standort die erste hölzerne Kirche der Schweiz

 

Gegen Laufen hin füllt sich der Bus zusehends, und als wir schliesslich am geschäftigen Regionalbahnhof eintrudeln, ist auch dort die Hölle los. So fühlt es sich also an, wenn man als Neo-Landei mitten in den provinziellen Pendlerverkehr zur Feierabendzeit hineinplatzt!
Schnell entfliehe ich diesem Bienenstock und verdrücke mich in die Altstadt des im 12. Jahrhundert gegründeten Ortes, welche mir von der treuen Begleiterin Wikipedia wärmstens ans Herz gelegt wird. Gewiss, die beiden Stadttore an den Enden der Flaniermeile sind wirklich ganz schön, dazwischen wirkt aber alles etwas zu modern und aufgeräumt – aber naja, nach Rheinfelden haben auch alle anderen Altstädte einen schweren Stand. Daneben kann ich noch zum Besten geben, dass Laufen die Heimat vieler Badezimmer-Armaturen ist (schaut mal auf eurem Lavabo nach, ob da Laufen draufsteht), sowie auch der Geburtsort des Schweizer Nationalheiligtums Ricola (wer hat’s erfunden? Genau, die Firma Richterich und Compagnie in Laufen, daher der Name).

 

Das Obertor von Laufen, eines der drei gut erhaltenen Stadttore der mittelalterlichen Befestigung
Das Obertor von Laufen, eines der drei gut erhaltenen Stadttore der mittelalterlichen Befestigung

 

Die mittelalterliche Hauptstrasse von Laufen BL
Der nördliche Teil der Laufener Hauptstrasse, mit dem Untertor als Abschluss

 

Nach einer guten halben Stunde muss ich wohl oder übel zurück zum geschäftigen Bahnhof der Krätuerbonbon-Metropole, wo sich meine Hoffnung, ich hätte die Rush Hour irgendwie aussitzen können, binnen Sekunden zerschlägt: Die Menschenmenge ist in Erwartung des nächsten Höhepunktes des Taktfahrplans erneut beträchtlich angewachsen und man steht sich ziemlich genervt gegenseitig auf den Füssen herum. Und obwohl da bereits fünf Busse stehen, wartet das Gros der Personen noch immer draussen. Auf was wohl? Na klar, auf das letzte Postauto der Runde, welches soeben um die Ecke biegt und sich auch als das Meinige herausstellt: Die Linie 112 nach Kleinlützel (das irgendwie nicht so klingt, als könne es solch gigantische Pendlerströme aufnehmen). Wie von der Tarantel gestochen rennen all die fleissigen Arbeitsbienchen von ihrem Stalldrang getrieben auf den gelben Gelenkbus los. Hilfe! Ich mag doch keine vollen Busse, und wenn ich mich schon mal aufs Land (sprich: alles ausserhalb der Stadt Zürich) traue, will ich bitteschön auch genügend Platz und keinen Dichtestress. Aber denkste: Es braucht sämtlichen Einsatz der in Zürcher Tradition scharf geschliffenen Ellbogen, um überhaupt noch einen Sitzplatz zu ergattern.

Wider Erwarten tröpfelt die Personenmenge auch nicht beim ersten Dorf Röschenz wieder aus dem Bus, sondern fährt mit mir bis an die Endstation: Besagtes Kleinlützel. Hier steigt der ganze Pulk aus – oder besser um: Fertig ist die Reise nämlich noch nicht, denn hier wartet bereits mein nächstes Postauto mit laufendem Motor: Ab hier wird die Linie 112 nämlich mit einem Kleinbus fortgeführt, welcher einem noch weiter in die Nordwestschweizer Abgeschiedenheit bringt. Roggenburg heisst das Ziel – ein kleiner Weiler nur, und entsprechend auch das Verkehrsmittel: ein kleiner Mercedes Sprinter. Nur machte bei der Einsatzplanung offenbar niemand die Rechnung mit der reiselustigen Hundertschaft aus meinem Postauto, denn etwa die Hälfte davon versucht sich nun tatsächlich in den kleinen Merz zu zwängen. Ein Riesengaudi für alle – oder zumindest diejenigen, die nicht klaustrophobisch veranlagt sind!

 

Der kleine Sprinter bringt mich nach Roggenburg

 

Mit fünfminütiger Verspätung bringt es der Fahrer dann endlich fertig, die Menschenmasse soweit zu komprimieren, dass die Tür geschlossen und die Fahrt begonnen werden kann. Ich glaube, die Strecke wäre ganz schön gewesen – auf einsamen Strassen führt sie der französischen Grenze entlang, eine gewisse Zeit lang sind wir sogar im EU-Raum unterwegs und kommen einem Französischen Weiler namens Kiffis gefährlich nahe – aber leider sehe ich davon nichts, da ich bloss an Rücken und Haarbüschel schaue, während die ganze Menschenmasse in jeder Kurve behäbig von links nach rechts wogt. Schade!

Roggenburg – der westlichste Aussenposten des sich zugegeben riiiiiesig anfühlenden Kantons Baselland – ist zum Glück nach sieben Minuten erreicht, die Meute stürzt hastig aus dem Bus und verzieht sich fast schon mit Lichtgeschwindigkeit in ihre Bauernhöfe. Ehe ich mich versehe, sind jegliche Anzeichen menschlichen Lebens um mich herum verschwunden und es ist so still, dass ich meine Uhr ticken höre. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder hat die ganze Einwohnergemeinde Kenntnis von einem kurz bevorstehenden Militärschlag gegen das beschauliche Nest erhalten, und ich ahnungsloser Tölpel werde mitten auf dem Dorfplatz stehen, wenn die Atombombe angerauscht kommt. Oder aber diese armen Dorfjurassier haben sich ab dem verschwitzten Fremden mit Zürcher Stallgeruch in ihrem Bus dermassen erschrocken, dass sie völlig verängstigt sofort in die eigenen vier Wände geflohen sind. Sei’s drum: Endlich kann ich wieder durchatmen und geniesse die Ruhe in diesem beschaulichen Bauernnest, das kaum hundert Einwohner zählt.

 

 

Im Dorfkern von Roggenburg BL

 

Wikipedia zufolge hatte die Pest im 17. Jahrhundert fast alle Roggenburger dahingerafft (aha, auf Katastrophen sind sie also gedrillt…), und auch sonst scheint es der Ort nicht mit dem Glück zu haben: Bereits sein alter Name Rokinberc geht auf das lateinische Wort für Scheiterhaufen zurück, und als er mal zu Frankreich gehörte, wurde er im Département Mont-Terrible (schrecklicher Berg) untergebracht. Später, bei der Bildung des Kantons Jura, wehrte sich Roggenburg erfolgreich dagegen, dort mit hineingezogen zu werden, und schloss sich dem damals bernischen Laufen an. Blöd nur, das dieses sich wenig später – gegen den Willen Roggenburgs – in den Kanton Baselland eingliederte. Und so sind die Roggenburger seit 1994 also Zwangsbasler.

Den Blick ab und zu skeptisch gegen den Himmel richtend, ob da nicht doch bald ein feindlicher Bomber um die Ecke jagt, schlendere ich durch das von Bauernhöfen gesäumte Hauptsträsschen, geniesse die Ruhe und erklimme schliesslich den mit der Dorfkirche Sankt Martin aus dem 17. Jahrhundert geschmückten Hügel hinter der Siedlung. Von dort geniesse ich einen wunderbaren Rundumblick, der bis weit ins französische Staatsgebiet reicht – und je länger die befürchtete Katastrophe ausbleibt, desto mehr komme ich zum Schluss, dass vielleicht doch ich der Grund für die Fluchtreaktion der Bevölkerung gewesen sein könnte :-).

 

Blick hinüber nach Frankreich
Blick hinüber nach Frankreich
Erhöht stehende Dorfkirche von Roggenburg
Erhöht stehende Dorfkirche von Roggenburg

Doch die vergelsterten Roggenburger müssen nicht mehr länger zittern: Schon biegt das nächste Postauto auf die Hauptstrasse ein und nimmt den Fremdling mit. Schon wieder handelt es sich um ein Mercedes-Fabrikat, schon wieder um einen Citaro, und doch gibt’s einen grossen Unterschied: Der Bus trägt ein jurassisches Kennzeichen! So erwarte ich, im Fahrer gleich einen aufmüpfigen, Absinthe destillierenden Freiheitskämpfer zu sehen, was von seinem Aussehen auch durchaus hinkommen könnte. Doch bald realisiere ich konsterniert, dass ich diesen Theorien gar nicht auf den Grund werde gehen können: Mein freundliches „Guete Abig“ wird nämlich nur von einem abgelöschten, kernigen „Bonjour“ quittiert – die Vorschlaghammer-Methode schlechthin, um mir klarzumachen, dass ich soeben eine Sprachgrenze übertreten habe und sämtliche weiteren Kontaktversuche auf Deutsch fruchtlos sein werden. Und da mein Französisch nie merklich über Croissant, Croque Monsieur und Cornichon hinausreichte ist das gleichbedeutend mit dem kompletten Abwürgen der noch nicht einmal begonnenen Konversation. Also gut, von nun an bin ich also in der Romandie unterwegs. Bienvenue und Gott steh’ mir bei!

 

Citaro in Roggenburg, BL
Hier kommt mein erstes jurassisches Postauto angerauscht!

 

Mit mir alleine an Bord rast der knorrige Jurassier nun zurück in seine Heimat: Delémont. Diese letzte Fahrt ist endlich wieder ein Highlight (was nicht nur, aber auch am fast leeren Bus liegt). Auf kurvenreichen, schattigen Strassen schlängeln wir uns durch die abgelegenen jurassischen Hügelzüge, fast ohne einer Menschenseele zu begegnen. Das nutzt auch der Buschauffeur aus, und schleudert sein behäbiges Gefährt mit einer Energie um die Kurven, die schon fast als halsbrecherisch betitelt werden kann – diesem Deutschschweizer will er offensichtlich zeigen, wie hier der Hase läuft. Dies, oder im heimischen Labor kocht gerade der Absinthe über, und zur Vermeidung einer grossen Explosion zählt jede Sekunde.

 

Auf schmalen Strassen durch den Jura...
Auf schmalen Strassen durch den Jura…
Die erste Haarnadelkurve meiner Reise *freu* !
Die erste Haarnadelkurve meiner Reise *freu* !
Auf schmalen Strassen durch den Jura...

 

Immerhin sind die fahrerischen Bemühung meines jurassischen Landstrassen-Schumis von Erfolg gekrönt: So schafft er es doch tatsächlich, auf insgesamt 26 Minuten Fahrzeit seine ganzen 6 Minuten Verspätung wieder reinzufahren und mich pünktlich in der jurassischen Hauptstadt abzuladen. Während die Sonne noch ein paar letzte wärmende Strahlen in Richtung Erde sendet, erkunde ich noch kurz Delsbergs Altstadt. Schön, aber auch nicht überwältigend. Aber wahrscheinlich habe ich für heute mit Amphitheater, Liestal und Laufen einfach genug Stein gesehen! Dagegen freue ich mich ausserordentlich, von hier aus den Kanton Jura zu erkunden – ein Gebiet, das ich mir als rauen Aussenposten im Wilden Westen der Schweiz vorstelle. Wie sehr diese Vorstellung mit der Realität übereinstimmt und ob ich den Absinthe-destillierenden Freiheitskämpfer doch noch aufspüre, werdet ihr in den nächsten Etappen lesen!

 

Bienvenue au Jura!
Bienvenue au Jura!
Fontaine de la Vierge (16. Jahrhundert) vor dem Hôtel de Ville
Fontaine de la Vierge (16. Jahrhundert) vor dem Hôtel de Ville

 

Alt und neu: das (einzige) Erdgas-Postauto vor dem Château de Delémont
Alt und neu: das (einzige) Erdgas-Postauto vor dem Château de Delémont

 

 

Das barocke Château de Delémont, erbaut im frühen 18. Jahrhundert
Das barocke Château de Delémont, erbaut im frühen 18. Jahrhundert

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