45: Schierser Kleinbus-Party und weiter nach Landquart

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Lesezeit: ca. 11 Minuten

Am Bahnhof von Schiers lasse ich mich von den zahlreichen bereitstehenden Minibussen verführen, und begleite sie auf steilen und abenteuerlichen Strassen mit fantastischen Aussichten in die umliegenden Bergdörfer.  

45: Schierser Kleinbus-Party und weiter nach Landquart

 

 

Fahrt-Logbuch:

Linie Von Nach Bus BJ Halter Zeit KM
212 Schiers, Bahnhof Stels, Mottis Iveco Daily 50C18 2009 Regie 0:37 8,2
212 Stels, Mottis Schiers, Bahnhof Iveco Daily 50C18 2009 Regie 0:35 8,2
220 Schiers, Bahnhof Furna, Hinterberg Mercedes-Benz
Sprinter 516CDI City 35
2014 Regie 0:28 10,3
220 Furna, Hinterberg Schiers, Bahnhof Mercedes-Benz
Sprinter 516CDI City 35
2014 Regie 0:26 10,3
213 Schiers, Bahnhof Schuders Mercedes-Benz
Sprinter 515CDI 4×4 Transfer 23
2010 Regie 0:30 7,6
211 Schiers, Bahnhof Fanas, Kirche Mercedes-Benz
Sprinter 516CDI City 35
2014 Regie 0:11 4,6
203 Fanas, Kirche Grüsch, Bahnhof Mercedes-Benz
Sprinter 515CDI 4×4 Transfer 23
2009 Regie 0:05 2,5
201 Grüsch, Bahnhof Seewis, Dorf Setra S412UL 2008 Regie 0:09 5,1
201 Seewis, Dorf Landquart, Bahnhof Setra S412UL 2008 Regie 0:19 9,6

 

 

English Summary:

English Translation - click to view

While I’m lingering around the town of Schiers, I spot an impressive number of yellow minibusses parked at its station, waiting for the hourly highlight: The arrival of the regional trains from Landquart and St. Moritz. Soon after, they would swarm in all possible directions, heading to small mountain hamlets that are scattered around the interesting topography that surrounds this regional center. Virtually all these routes also include negotiating small, winding and exposed mountain roads – which perfectly fits my taste. I therefore decide to stay in Schiers a bit longer and to join those minibuses on a fair share of their routes.

The first ride takes me up more than 820 meters in altitude, to a hilltop restaurant in an idyllic setting above the village of Stels. The half-hour journey is fantastic, as it provides all the necessary ingredients for superb PostBus routes: Narrow roads, a good number of hairpin bends, breathtaking views along the way, and an idyllic destination. The same also applies to my second choice, the village of Furna which lies on the other slope of the valley and provides even better views.

My final tour then leads me up to the hamlet of Schuders. This ride is even more adventurous than the others! First, we cross the graceful Salginatobel Bridge, an architectural masterpiece erected in 1929, which has also been named one of the 50 “World Monuments” as a reward for its engineering ingenuity. Thereafter the route gets even more exciting: On a steep and narrow road that consists almost exclusively of constant hairpin bends, we climb a particularly intimidating hill in search for our destination while once more enjoying fantastic views. As we finally reach Schuders, a picturesque village of classic wooden chalets welcomes us. Man, there are definitely a lot of gorgeous routes around here!

Eventually, it’s time to head on though. A last minibus takes me up the short way to the village of Fanas, from where I catch another minibus onward to Grüsch. There, finally, a proper bus is waiting for my last ride of the day: Up to the resort town of Seewis before we leave the valley and head back to civilization: to the major city of Landquart, which can almost be considered part of the Swiss flat lands again. My arrival in Landquart therefore also marks the time to say goodbye to my mountain adventures, as I’m now turning my back on the Alps. But what a great time I had!

 

Nachdem mich die Postautos in der letzten Episode schon in die hübschen Hangdörfer des Prättigaus entführt und damit meine Angst vor dem Tal kuriert haben, geht’s nun im gleichen Stile weiter. Am Bahnhof Schiers wartet nämlich schon ungeduldig eine Horde energiegeladener, Bergstrassen-affiner Kleinbusse und blickt mich erwartungsfroh an. Keine Angst, immer schön der Reihe nach – ich werde mit euch allen fahren!

 

Ankunft in Schiers: Ich bin im Kleinbus-Mekka gelandet!

 

Die 2’600 Einwohner zählende Gemeinde Schiers versteht sich als das Zentrum des Prättigaus, und nimmt auch entsprechende Funktionen wahr: Bereits 1837 wurde hier die heutige Mittelschule des Tals gegründet, rund vierzig Jahre darauf das Prättigauer Krankenhaus, und um die Jahrhundertwende die bis heute publizierte Regionalzeitung. 1950 kam die wunderbar benannte Bäuerinnen- und Haushaltungsschule dazu (heute leider ins nichtssagende «Bildungszentrum Palottis» umgetauft), 1980 ein Pflegeheim (was zynisch betrachtet die Vermutung nahelegt, dass es durchschnittlich rund 30 Jahre dauert, bis sich die Bäuerinnen in die Pflegebedürftigkeit geschuftet haben) und erst 1985 ein Seniorenheim (da realisierte die Gemeinde wohl: Aha, die Bäuerinnen werden ja auch noch alt!).

 

Blick auf Schiers während der Bergfahrt nach Mottis
Blick auf Schiers während der Bergfahrt nach Mottis

 

Diese Zentrumsfunktion kommt für Schiers nicht von ungefähr: Das Dorf in der Talsohle ist nämlich umgeben von zahlreichen Fraktionen, die auch zur Gemeinde gehören: Kleinen Weilern an Hanglage, die um bäuerliche Gehöfte gewachsen sind. Und die wollen ja auch ans ÖV-Netz angebunden sein. Deshalb hat sich Schiers zu einem wahrhaftigen Kleinbusmekka entwickelt, von dem die gelben Minibusse sternförmig in alle Himmelsrichtungen und Höhenzonen ausschwärmen. Zu fünft stehen sie jeweils am Bahnhof in Reih und Glied, und warten das stündliche Highlight ab: das Kreuzen der Züge aus Landquart, Davos und St. Moritz mit entsprechenden Passagierflüssen.

Auf ihren Anzeigen prangen lauter Destinationen, deren Namen ich noch nie gehört habe: Stels, Pragg, Furna, Schuders, Pajauna, und so weiter. Und egal, welches von denen ich bei Google eingebe: die kartographierte Wegbeschreibung sieht bei jedem Ort aus wie eine Schlange, die sich halb deliriös in unzählige Knoten gewunden und an eine Bergflanke geschmissen hat, derweil StreetView mit beeindruckenden Impressionen schmaler ausgesetzter Strässchen nur so um sich wirft. Für mich steht fest: Bevor ich in Richtung Landquart weiterziehe, will ich bei dieser Bergstrassen-Party auch mitmachen!

 

An den Hängen ob Schiers wimmelt es nur so von Kleinbussen!
An den Hängen ob Schiers wimmelt es nur so von Kleinbussen!

 

Linie 212: Stels

Und so plane ich kurzerhand etwas Zeit ein, um mir die eine oder andere Extra-Fahrt ab Schiers zu genehmigen. Die erste führt in die hoch gelegene Fraktion Stels, deren Hauptattraktion offenbar zwei auf 1’470 Metern Höhe gelegene Seminarhotels sind (Schiers selber liegt auf 650 Metern, man rechne und staune!). Im Büsschen – einem Iveco Daily 50C18 – sind nur ein paar ältere Damen anwesend, es riecht nach Kaffekränzchen. Auch der Fahrer gibt den Animateur: “So mini Dame, guet feschthebe, jetzt fahremer z’Berg”. Klingt ja vielversprechend!

 

Auf geht's, hinauf nach Stels und Mottis
Auf geht’s, hinauf nach Stels und Mottis

 

Die Siedlung Fajauna...
Die Siedlung Fajauna
Die Strasse wird enger...
Die Strasse wird enger…

 

Vielversprechend ist nur der Vorname! Bereits kurz nach Verlassen des Bahnhofs Schiers pflügt sich der Iveco-Kleinbus durch die engsten Gässchen, die sich um den Dorfkern finden lassen, um dann nach Passieren der höhergelegenen Quartiere die Talflanke in Angriff zu nehmen. Sofort wird klar, weshalb hier kein grösseres Gefährt zum Einsatz kommt: Die Strasse ist eine der schmalsten bisher, einspurig, ohne irgendwelchen Platz für Ausweichmanöver. Zudem ist sie auch noch ausgesetzt, führt mal dem Waldrand entlang, mal dem Hügelzug, dann wieder über idyllische Weiden. Ein richtiges Fahrt-Abenteuer! Und je höher wir kommen, desto genialer wird auch die Aussicht.

 

...
Weitblick garantiert!
Weitblick garantiert!

 

 

Wow, welch eine Strasse, welch ein Ausblick!
Wow, welch eine Strasse, welch ein Ausblick!

 

...

 

So sehenswert sieht die Fahrt übrigens aus der Vogelperspektive aus – meine Drohne leistete mir einmal mehr gute Dienste 🙂

Kleines Postauto mit riesigen Bäumen 🙂

 

Bergfahrt nach Stels, hoch über Schiers

 

Verfolgungsjagd in der Haarnadel – wer wohl das Rennen macht?

 

Das Postauto natürlich!
Willkommen in der Höhe!

 

Wir passieren erst die Walsersiedlung Stels, und fahren dann noch etwas weiter den Stelserberg empor. Nach 35 Minuten pursten Fahrspasses ist das Ziel erreicht, das inmitten von ein paar Alpen gelegene Berggasthaus Mottis. Natürlich hat das genau heute geschlossen – was sehr wohl die nun etwas desillusioniert herumeiernden alten Damen betrifft, mich aber kaum: Ich habe alle Hände voll zu tun, über die Weiden zu streifen und das herzige Postauto während des halbstündigen Aufenthaltes aus allen Blickwinkeln abzulichten. Sehr zum Missfallen sämtlicher anwesender Rindviecher, welche ihre geliebten Weidegebiete mit lauten Muh-Konzerten gegen den wild knipsenden zweibeinigen Eindringling aus dem Unterland verteidigen!

 

Schon erreichen wir die Siedlung Stels auf 1'290 Metern über Meer...
Schon erreichen wir die Siedlung Stels auf 1’290 Metern über Meer…
...doch die Fahrt geht weiter in die Höhe!
…doch die Fahrt geht noch weiter in die Höhe!

 

Prächtige Aussicht in Richtung Landquart - dort wird mich auch meine Reise hinführen.
Prächtige Aussicht in Richtung Landquart – dort wird die heutige Etappe enden.

 

Die Strasse zur Alpsiedlung Mottis, 1'470 m.ü.M.
Die Strasse zur Alpsiedlung Mottis, 1’470 m.ü.M.
Alpfeeling pur, das Postauto geht in der Kuhherde beinahe unter :-)
Alpfeeling pur, das Postauto geht in der Kuhherde beinahe unter 🙂

 

Idylle in Stels/Mottis oberhalb von Schiers (GR) - auch hier bringt einem das Postauto hin!
Idylle in Stels/Mottis – diese Fahrt hat sich wirklich gelohnt!

 

Bergidylle pur, auf der Alp Mottis oberhalb von Schiers (GR)
Bergidylle pur!

 

Zeit für die Rückfahrt :-(
Zeit für die Rückfahrt 🙁

 

Linie 220: Furna

Als zweites Schierser Abenteuer wähle ich die Strecke nach Furna. Die führt nach einem kurzen Abschnitt auf der Hauptstrasse in zwölf eng aufeinander folgenden Serpentinen der Berg hinauf. Oben wartet dann eine fantastische Aussicht über fast das ganze Prättigau, im Hintergrund thronen wie als Abschiedsgruss nochmals die schneebedeckten Gipfel des Flüelapass-Gebiets: Piz Linard, Verstanclahorn, Piz Buin.

Auf dem Weg nach Furna (GR) eröffnet sich ein prächtiger Blick aufs obere Prättigau!
Auf dem Weg nach Furna eröffnet sich ein prächtiger Blick aufs obere Prättigau!

 

Mit im Bus ist wieder einmal eine Schulklasse, der Unterricht ist für heute beendet und die Schüler entsprechend gut gelaunt. Offenbar war der Gesangsunterricht die letzte Lektion, denn alle sind sie in Singstimmung. Und so geben sie – wild durcheinander natürlich, und keine Chance zur totalen Disharmonie auslassend – diverse Hits von den Beatles und Michael Jackson zum Besten, während mein Fahrer seinen Bus die Kurven hochprügelt.

 

Je höher, desto besser die Aussicht!
Je höher, desto besser die Aussicht!

 

Hochprügeln trifft’s eigentlich ganz gut: Der zum Einsatz kommende Mercedes-Benz Sprinter 516CDI City 35 ist zwar topmodern (Jg. 2014), besticht mit Automatikgetriebe, Klimaanlage, riesigen Panoramafenstern, Niederflur-Einstieg, einer einladend grossen Doppeltür und allem anderen erdenklichen Klimbim. Doch irgendwie hat der deutsche Stadtflitzer mit der steilen Bergstrasse nach Furna, die auf einer Distanz von nur 5 Kilometern beachtliche 600 Höhenmeter erklimmt, so seine liebe Mühe. Im ersten und zweiten Gang ziehe er einfach nicht recht, flucht der Chauffeur, und verwirft mehrmals verzweifelt die Hände. So schleichen wir im Schneckentempo den Berg hoch, während uns der Fahrplan in grossen Schritten davongaloppiert. Aber egal, hier oben hat man ja Zeit: Furna war schliesslich auch eine der allerletzten Gemeinden der Schweiz, die elektrifiziert wurde: Im Jahr 1968 war das. Und so habe ich immerhin mehr Zeit, um die Aussicht zu geniessen.

 

Ein schöner Kontrast: Der moderne Sprinter 516 CDI im urchigen Dorfkern von Fanas (GR)
Ein schöner Kontrast: Der moderne Sprinter 516 CDI etwas später im urchigen Dorfzentrum von Fanas.

 

Ankunft in Furna (GR), hoch über dem Prättigau
Ankunft in Furna, 1’350 Meter über Meer

 

Linie 213: Schuders

Trotz alledem, ich finde rechtzeitig zurück an den Bahnhof Schiers, für die vielleicht waghalsigste Strecke im hiesigen Angebot: Route 213 nach Schuders. Zum Einsatz kommt hier ein Sprinter 515CDI 4×4 Transfer 23 aus dem Jahr 2010 – im Gegensatz zum 5 Tonnen schweren Edelkoloss der Furna-Strecke ist das 3,5t-Allrad-Leichtgewicht eine echte Berggeiss. Und das muss es auch sein, denn die Strecke nach Schuders hat’s echt in sich!

Sie beginnt noch recht lieblich: Wir fahren auf einer gut ausgebauten Strasse den nordöstlichen Hang des Prättigaus empor, und geniessen den Blick auf die sonnengegerbten, dunklen Holzhäuschen der eigenartig benamsten Schierser Fraktionen Maria Montagna und Pusserein.

 

Bergfahrt durch Pusserein
Bergfahrt durch Pusserein

 

Gesprinkelt mit Höfen, zerfurcht von Strassen: Die Hänge oberhalb Schiers sind doch bereits reichlich zersiedelt. Im Hintergrund ist bereits die Bergstrasse nach Schuders erkennbar
Gesprinkelt mit Höfen, zerfurcht von Strassen: Die Hänge oberhalb Schiers sind doch bereits reichlich zersiedelt. Im Hintergrund ist schon die Bergstrasse nach Schuders erkennbar

 

Schon kommt das erste Highlight in Sicht: Die elegante, 132 Meter lange Salginatobelbrücke, welche der ETH-Ingenieur Robert Maillart im Jahr 1929 entwarf. Seine Konstruktion einer Bogenbrücke aus Stahlbeton war derart richtungsweisend, dass das Werk aus diesem kleinen Bündner Seitental noch heute an technischen Hochschulen in aller Welt als Lehrobjekt für einen gleichermassen wirtschaftlichen und architektonisch ansprechenden Brückenbau gezeigt wird.

 

Auf einem Weltmonument unterwegs: Die Salginatobelbrücke bei Schiers (GR) wurde von einer internationalen Fachjury in den erlauchten Kreis von 45 der bedeutendsten Ingenieursschöpfungen der Welt aufgenommen - und steht damit auf einer Höhe mit Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, der Freiheitsstatue oder dem Panamakanal!
Der Weg nach Schuders führt über das einzige Schweizer Weltmonument!

 

So verwundert es wenig, dass die renommierte American Society of Civil Engineers die Brücke 1991 auszeichnete, und sie wegen ihrer zentralen Bedeutung für das Ingenieurswesen in den Status eines «World Monument» erhob. Damit steht sie auf einer Stufe mit knapp 50 anderen herausragenden Bauten wie dem Eiffelturm, der Freiheitsstatue oder dem Panamakanal.

 

Das kleine Postauto auf einem Bauwerk von Weltruhm!

 

Wie gross die Strahlkraft dieses Titels tatsächlich ist, kann ich allerdings nicht beurteilen: Googelt man nämlich nach «World Monument» oder «Weltmonument», gelangt man immer nur auf die Bündner Touristikseiten, welche die Brücke mit ebendiesem Titel bewerben – die anderen 47 Monumente weltweit, welche die Auszeichnung erhalten haben, scheinen diese nicht für übermässig erwähnenswert zu halten. So oder so, sehenswert ist die Brücke tatsächlich, und immerhin bin ich nun im Postauto über ein Weltmonument gefahren, während ich in 90 Metern Höhe den Talgrund überquert habe. Juhui.

 

Blick vom Weltmonument in die Tiefe: Das Salginatobel
Blick vom Weltmonument in die Tiefe: Das Salginatobel

 

 

Wirklich spektakulär wird die Fahrt aber erst noch, denn jetzt steht das Kernstück bevor. Die steile und ausgesetzte, in die felsige Bergflanke gehauene Zickzack-Strasse hoch nach Schuders. Die Hangneigung beträgt 30 bis 45 Grad, entsprechende Kunstgriffe waren beim Bau der Strasse nötig. Bereits wenn man sie aus der Ferne sieht, wird einem beinahe schwindlig – und wenn man sie befährt, ergeht’s einem nicht viel anders.

Da geht’s rauf! Und, nervös?

 

Nach der Überquerung der Brücke beginnt sofort die steile Bergfahrt
Nach der Überquerung der Brücke beginnt sofort die steile Bergfahrt

 

 

Auch hier sind die Strassen schmal...
Auch hier sind die Strassen schmal…
...und exponiert!
…und exponiert!

 

Dafür sind die Aussichten umso prächtiger!
Dafür sind die Aussichten umso prächtiger!

 

Steil nach oben steigend erklimmt man Höhenmeter um Höhenmeter, derweil die 19 Haarnadeln dem kleinen Bus alle paar Meter eine 180-Grad-Drehung aufzwingen. Diese rhythmische Kraxelei könnte fast schon als Tanzform bezeichnet werden – und eine mit formidabler Aussicht notabene. Diese Fahrt ist echt der Wahnsinn!

 

Wo Haarnadeln zur Kunstform werden

 

Auch das kleine Postauto beackert die Serpentinen fleissig…
…egal ob berg- oder talwärts 🙂

 

Der Fakt, dass man sich dabei auf einem der aktivsten Hangrutsch-Gebiete der Schweiz befindet, die Strasse mit beängstigender Regelmässigkeit verschüttet wird, selbst ein paar Meter abrutscht, oder als Vorsichtsmassnahme alle paar Jahrzehnte gleich wieder eine ganz neue Streckenführung bekommt, sorgt derweil für einen Schuss Nervenkitzel. Alles in allem ein gefährlich schönes Spiel mit dem Feuer!

 

Ein Meisterwerk: Die Bergstrasse nach Schuders
Ein Meisterwerk: Die Bergstrasse nach Schuders

 

Enge Haarnadeln gibt's hier zuhauf!
Enge Haarnadeln gibt’s hier zuhauf!

 

Haarnadeln so weit das Auge reicht!
Haarnadeln so weit das Auge reicht!
...

 

Im Zickzack unterwegs: Die Bergstrecke von Schiers nach Schuders ist doch ziemlich abenteuerlich!
Rund zwanzig Spitzkehren sind zu bewältigen – ein Vergnügen für Fahrer und Passagiere!

 

Im Zickzack unterwegs: Die Bergstrecke von Schiers nach Schuders ist doch ziemlich abenteuerlich!
Mit Höhenangst ist man hier falsch!

 

Kleines Postauto auf einsamer Strasse 🙂

 

Sorry, ein letztes Haarnadel-Potpurri muss noch sein 🙂

 

Am Ende aber, wenn das 400 Meter über dem Talboden gelegene Schuders erreicht ist, wird man für Angstschweiss und Adrenalinschübe belohnt. Einem idyllischen Adlernest gleich sitzen seine dunklen Holzhäuschen an der saftig grünen Talflanke, derweil im Hintergrund die imposanten Kalksteinfelsen der Drusenfluh als markanter Kontrast über der lieblichen Landschaft thronen. Ein schaurig schöner Flecken Erde dieses Schuders, und ein weiteres Juwel in der Krone der einzigartigen Postauto-Strecken!

 

Auf dem lieblichen Bergsträsschen dem Dörfchen Schuders entgegen
Auf dem lieblichen Bergsträsschen dem Dörfchen Schuders entgegen
Die kleine reformierte Kirche St. Anna in Schuders wurde 1508 erbaut
Die kleine reformierte Kirche St. Anna in Schuders wurde 1508 erbaut

 

Downtown Schuders
Downtown Schuders

 

Im Hintergrund thront die mächtige Drusenfluh
Im Hintergrund thront die mächtige Drusenfluh

 

Alpine Idylle!
Alpine Idylle!

 

Endstation in luftiger Höhe! Schuders (GR) am Fusse der Drusenfluh ist erreicht
Endstation in luftiger Höhe – erreichbar natürlich mit dem Postauto!

 

Nachdem ich auch dieses Abenteuer beendet habe, finde ich mich zum x-ten Mal am Bahnhof Schiers wieder. Nun aber ist Abschied angesagt, ich kann ja nicht tagelang nur die Hänge rauf- und runterbrausen, auch wenn es immensen Spass bereitet! Es geht nun mit dem eigentlichen Routenverlauf weiter, aber auf die Kleinbusse verzichten muss ich deshalb trotzdem nicht. Der gleiche Minibus, der mich schon nach Furna brachte, zeigt mir nun auch noch die Strecke nach Fanas.
Dieses Dörfchen liegt gleich oberhalb von Schiers auf einer Sonnenterrasse. Zwar führt auch auf der Route hier hoch kein Weg an ein paar Haarnadeln vorbei, doch die Höhendifferenz beträgt nur 250 Meter. Offenbar liegt das gerade noch im Toleranzbereich des in Furna arg gebeutelten Mercedes-Cityflitzers, jedenfalls geht ihm die Puste diesmal nicht aus, und die Fahrt dauert genau die fahrplanmässigen elf Minuten.

 

Auch sonst präsentiert sich die Ortschaft äusserst idyllisch und ansprechend
Die Ortschaft präsentiert sich äusserst idyllisch und ansprechend
Am Dorfplatz von Fanas
Am Dorfplatz von Fanas

 

Für ein so kleines Dorf – hier leben rund 400 Einwohner – kann Fanas auf ein reiches Potpurri an historischen Namen zurückschauen: Von Faenane über Fenatis und Vanaus bis Affenans wird alles geboten. Ausser dauernden Namenswechseln ist hier aber nicht viel los; einzig eine kleine Seilbahn beschert der ansonsten bäuerlich geprägten Gemeinde ein paar vorbeischauende Gleitschirmflieger und Schneeschuhwanderer.

 

Am beschaulichen Dorfplatz von Fanas (GR) ist die Welt noch in Ordnung!
Am beschaulichen Dorfplatz von Fanas ist die Welt noch in Ordnung!

 

Die Seilbahn erspare ich mir, denn auch schon aus dem Dorfzentrum sehe ich, was ich eigentlich gar nicht sehen will: Die Klus, den imposanten schluchtartigen Einschnitt des Prättigaus kurz vor Landquart, welcher mich schon sehr bald wie ein markant geformtes Ausgangstor zurück ins Schweizer Flachland entlassen wird. So steht die von weither sichtbare Felsformation wie ein Mahnmal in meinem Sichtfeld und erinnert mich stets daran, dass dann auch das Kapitel meiner geliebten Alpen-Fahrten zu Ende sein wird. Heul!

 

Auch der Weitblick weiss zu begeistern: Er führt über die Klus (den schluchtartigen Eingang zum Prättigau) und Landquart hinweg bis zum schneebedeckten Ringelspitz
Auch der Weitblick weiss zu begeistern: Er führt über die Klus (den schluchtartigen Eingang zum Prättigau) und Landquart hinweg bis zum schneebedeckten Ringelspitz

 

Fanas ist insofern speziell, als es nicht nur von Schierser Bussen angesteuert wird, sondern auch von solchen aus dem nächsten Ort im Tal: Grüsch. Kurs 203 bewältigt regelmässig die läppischen 2,5 Kilometer, knapp 5 Minuten braucht er dafür. Entsprechend pünktlich trifft er am Dorfrand von Fanas ein, wo ich ihm für ein Foto abgepasst habe, hält kurz im Zentrum, und kommt mich dann aufgabeln. Wieder ist eine Schulklasse an Bord, diesmal bleibt leider nur noch ein Gangplatz für mich übrig, und deshalb gibt’s auch keine Fotos der kurzen Strecke. Aber zwei- oder dreimal blinzeln, und schon sind wir eh am Bahnhof Grüsch angelangt.

 

Nanu, wer kommt denn da um die Kurve geflitzt? Mein Sprinter 515CDI 4x4, der mich hinunter nach Grüsch bringt
Nanu, wer kommt denn da um die Kurve geflitzt? Mein Sprinter 515CDI 4×4, der mich hinunter nach Grüsch bringt
...

 

Abschied von Fanas - hoffentlich hält das kleine Postauto für mich!
Abschied von Fanas – hoffentlich hält das kleine Postauto für mich!

 

In Grüsch wartet dann, nach etlichen Minibussen in Serie, wieder Grossgerät auf mich – ob ich darüber jetzt glücklich sein soll oder nicht, lasse ich mal unbeantwortet. Ein stattlicher Setra 412UL ist aus Landquart angereist. Seine Route führt nun in den erhöht gelgenen Ferienort Seewis, dann zurück nach Grüsch, und schliesslich heim nach Landquart. Doch da ich eh schon hier bin, kann ich auch gleich die gesamte Tour mitmachen, statt erst auf dem Rückweg in Grüsch zuzusteigen. Ich muss dabei nur aufpassen, mit meiner Knipserei oder an-Bord-Bleiberei ja nicht den Fahrer zu verärgern, denn seine Laune ist schon unterirdisch genug. Jedes vorausfahrende oder kreuzende Auto, das seinem straffen Zeitplan in die Quere zu kommen wagt oder sich anderweitig nicht genau so verhält, wie sich der gelb-behemdete Maestro das erhofft, wird gnadenlos mit gut hörbar gezischten Schimpftiraden zusammengestaucht. So findet also die bisher erlebte Idylle der Bergregionen ihr jähes Ende, und ich bin ganz offensichtlich wieder im gehetzten Alltagsstress der Flachlandschweiz angelangt.

 

Bergfahrt von Grüsch nach Seewis - mal wieder mit einem Standardbus: Einem Setra 412UL
Bergfahrt von Grüsch nach Seewis – mal wieder mit einem Standardbus: Einem Setra 412UL
Blick zurück ins befahrene Prättigau in der Abendsonne; in der Bildmitte Schiers
Blick zurück ins eben durchquerte Prättigau in der Abendsonne; in der Bildmitte Schiers

 

Ich versuche, mich davon nicht beirren zu lassen, und die letzte Bergfahrt zu geniessen. Ein letztes Mal für heute schrauben wir uns auf engen Haarnadeln in die Höhe, und erreichen bald das Zentrum der Gemeinde Seewis. Das 1865 eröffnete Kurhaus und acht Hotels machen Seewis zu einem beliebten Ziel für Touristen – nicht etwa als Mekka des Wintersports, sondern als Luftkurort.

 

Willkommen in Seewis, mit seiner markanten spätgotischen Kirche, erbaut um 1487
Willkommen in Seewis, mit seiner markanten spätgotischen Kirche, erbaut um 1487

 

Kaum auf knapp 1’000 Metern oben angelangt, machen wir auch schon wieder Kehrt, und steigen auf dem gleichen Weg zurück ins Prättigau hinab. In Grüsch wieder in der Talsohle angekommen, biegen wir schliesslich für die letzten paar Kilometer noch auf die verhasste Kantonsstrasse ab, während wir aus dem Tal hinaus Landquart und der untergehenden Sonne entgegenfahren. Momoll, ich habe die Hauptstrasse wirklich erfolgreich zu umgehen gewusst *mirselberaufdieschulternklopf* – und dank den Postautos dabei unzählige fabelhafte Facetten des Prättigaus kennenlernen dürfen. Ade merci und definitiv auf Wiedersehen!

 

Nach dem Halt in Seewis geht's zurück ins Tal...
Nach dem Halt in Seewis geht’s zurück ins Tal, auch sichtbar sind Grüsch und das erhöht gelegene Fanas

 

...und schliesslich, zusammen mit der untergehenden Sonne, Landquart entgegen
Zusammen mit der untergehenden Sonne fahren wir schliesslich aus dem Prättigau hinaus, und Landquart entgegen

2 Responses

  1. Putzi
    | Reply

    Über die super guten Kommentare vom Prättigau habe ich mich sehr gefreut. Ich kenne die Gegend gut und bin begeistert von den tollen Fotos.
    Ebenfalls sehr gut recherchiert!
    Die ganze Tour überaus gelungen gemacht. Chapeau

    • Tis
      | Reply

      Merci vielmal, das ist sehr nett! Ja, ich bin vom Prättigau auch nachhaltig begeistert und mittlerweile schon für einen längeren Aufenthalt zurückgekehrt 🙂

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